Chemie und Irrsinn

Chemie und Irrsinn – Leipziger Studienjahre 1954 – 1958

Ein Plädoyer für freie Meinungsbildung –

von Thea Derado,

Okt. 2009  im Engelsdorfer Verlag zu Leipzig.

ISBN 978-3-86901-619-1

    14,70 Euro (D)

 

     (zu bestellen im Buchhandel, -  bei mir   -  oder direkt beim Engelsdorfer-Verlag )

Anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Leipziger Universität erzählt "Chemie und Irrsinn" ein Stück erlebter Geschichte aus den 50er Jahren, bevor sich die DDR ein-igelte und zum Arbeiter- und Mauernstaat wurde. Was die heitere Studentin Uta letztendlich dazu trieb, ihrer Heimatstadt Leipzig den Rücken zu kehren, davon berichtet Thea Derado spannend und historisch fundiert.   -  Auch für Jugendliche und "Wessies" zu empfehlen!

Für Workshops  "zum 20-jährigen Ableben des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden", Lesungen, Diskussionen, Gespräche könnt Ihr mich gern einladen!

Dazu ist die Kontaktseite da  - oder ruft mich an!

 

Bisherige Präsentationen, Lesungen und Diskussionen:

Fr. 13. November 18:30 - Nikodemuskirche/Clubraum, Echingerstraße, 80805 München

Mi. 25. Nov. – 19:30 Uhr Garching bei München:  als "Zeitzeuge" bei Kamin-Gespräche Stud.wohnheim. Enzianstr. 5; 

 

 

Leseprobe:

Eines Abends kam Sabine von der Uni nach Hause, verheult und wütend. So hatte Uta ihre Untermieterin noch nie gesehen.

Diese Schweine, diese elenden Schweine!“

So derbe Worte aus Sabines Mund! Sie fluchte wie ein Landsknecht. Immer wieder schossen ihr Tränen in die Augen.

„Na, beruhige dich doch erst mal. Was ist denn so Schlimmes passiert?“

„Du wirst nicht die Einzige sein, die nach drüben geht. Ich haue auch ab! Die kriegen mich nie wieder in dieser Uni zu sehen! Diese Mistpfützen-Krebse!!“

Zwischen einer Kaskade von Schimpfwörtern erfuhr Uta, was vorgefallen war.

„Stell dir vor, die haben alle meine Briefe an Eddy abgefangen!“

Seit Ende der Messe hatte Sabine fast jeden Tag an Eddy geschrieben.

„Auch die Briefe von Eddy an mich. Ich hatte mich schon gewundert, wieso ich so wenig Post von ihm erhielt. Dann haben sie die Unverschämtheit gehabt, und haben aus diesen Briefen vor der ganzen Gruppe  in einer FDJ-Versammlung laut vorgelesen.“

„Hast du schlimme Sachen geschrieben? Irgend etwas Politisches?“

„Nein. Aber diese Briefe sind für keinen Dritten gedacht gewesen. Für niemanden außer uns beiden, Eddy und mich. Wie das bei Liebesbriefen so ist. Ich wäre am liebsten in den Erdboden versunken. Es war so peinlich, so unangenehm, als das vorgelesen wurde. Die Bengel aus meiner Gruppe haben laut gegrölt vor Lachen.  - Ich gehe da nie wieder hin. So eine Demütigung, das ist zu viel. Warum können die einen nicht in Ruhe und Frieden leben lassen?“

„Jetzt wirst du wohl noch vor mir drüben sein?“

„Nein, so schnell geht es nicht. Ich muss erst noch nach Hause zu meinen Eltern und dort einiges erledigen. Falls jemand von der Uni nach mir fragen sollte, sagt einfach, ich hätte Angina und sei deswegen nach Hause gefahren.“

„Mach’s gut, altes Haus. Vielleicht sehen wir uns nochmal wieder in einer besseren Welt.“

Am nächsten Tag waren Sabines Sachen gepackt und sie fuhr davon.

Als Dora von der Arbeit kam, fand sie den Wohnungsschlüssel auf dem Korridorboden hinter dem Briefkastenschlitz.

Das war der erste.