Leipzig

 

                   Welche alten Leipziger Kennen das Gedicht übers Rosental?

                   Wer kann mir sagen, von wem es ist? an thea.derado36@gmail.com

                   Wir haben es vor ca. 68 Jahren in der Schule gelernt.

                   Möglich, dass es unvollständig ist.

 

 

 Rosenthal

 

Mitten in der Großstadt Branden,

still versteckt im lauschgen Grün,

ist ein Plätzchen uns erstanden.

Dahin lasst uns sonntags zieh’n.

Rosental, mit milden Händen

Deckst du Werktags Leiden zu.

Tust uns Ruh und Frieden spenden.

Rosental, wie schön bist du.

 

Abends bei der Sonne sinken,

wenn im letzten Purpurschein

Flur und Wald und Auen trinken,

wenn im Silbermondenschein

fern der Lärm der Stadt verhallt,

still und schweigend liegt der Wald.

Findest Frieden dort und Ruh.

Rosental wie schön bist du!

 

  

              Übrigens: Eines meiner Bücher spielt in Leipzig (1954 bis 1958):

              "Chemie und Irrsinn" - bei Amazon - auch als e-bbok.

 

 

                     Spaziergang einer  Exil-Leipzigerin   

                  (geschrieben kurz nach der Wende)

 

                 Zugegähm, och wennsch mich schäme,

                 viel Jahre war ich mal nich derheeme.

                 Doch langsam wird mer alt und sieche,

                 da zerrt's een an dn Ort der Wieche.

                 De Nostalchie trieb mich nach Sachsen,

                 nach Leibzsch, da wo ich offgewachsen.

 

                 Wohl dem Haus in dieser Stadt

                 wo ä Poet gewohnt mal hat;

                 denn das gahm under Denkmalschutz

                 un dadermit ooch under Butz.

                 Doch war's ä ganz normales Haus,

                 da sah de Sache draurisch aus:

 

                 Fieln de Steene raus in Stiggen,

                 zeicht' de Mauer bald schon Liggen.

                 Wo dor Zahn dor Zeit dat walden,

                 da gonnt sich ooch gee Mördel halden.

                 Und um das Ganze zu begrien'n,

                 musst' de Räschenrinne dien'n.

 

                     Um ze seh’n, dass das kee Gohl is,

                     fuhr ich ooch mal naus nach Gohlis.

                     Schon ä gleener Blick geniecht

                 da wo de Elektrische um de Gurve biecht.

                     Ach, da warn so viele Egg'n,

                 die mor lieber wollt vorstegg'n.

 

                     Wo einst de Blaue Schule stand

                 buddelt ä Griewatsch rum im Sand.

                 Am Giggerlingsbärch, na gugge ma,

                 stand's Gohliser Schlässchen noch schmugge da!

                 Doch wo mir einst lauschten klass'schen Melodein,

                 daden im Bark de Disteln gedeihn.

 

                 Sah mor die vergommnen Schubben,

                 dat einm 's Herze in de Hose hubben.

                 Unzählsche Wohnungn standen leer,

                 dän fählte ne Ränofierung gar sehr.

                 Mancher is oft zun Behärden gerennt,

                 doch immer war ärschepft 's Gondingend.

 

                 So latscht ich off der Gindheids Pfade

                 un dacht: Um Leipzig wär's echt schade!

                 Ach, Leipzig, wunderscheene Stadt!

                 Nur's Zentrum geht, sonst stirbste ab.

                 Du bliehtest under Börchermeister Lottern,

                 doch dann ließ mer dich ganz verloddern.

 

                 Doch blätzlich dad sich's dann erweisen

                 de Glückskraft von St. Georchs Eisen.

                 An der Nikolai-Görche eingemauert

                 hat's lange off die Zeit gelauert,

                 bis se montags demonschtriern.

                 Der ganzen Welt dat's imboniern.

 

                     Da ward de Theorie zur gewaltlosen Gewalt,

                     weil alle war’n in sie verknallt.

                     Bald ergriff's de ganze Stadt,

                 alles, was zwee Beene hat.

                 Dann Dausende hinauf den Brühl!

                 Das war ne Wucht! Un das Gefühl!

 

                     Ich saß in mein’m Exil in Bayern,

                     dad aus der Ferne kräftsch mit feiern,

                     wenn den Zaun zerschnippelt ham de Ungern.

                     Ich konnt nur vor der Glotze lungern,

                     war von allem ganz benommen.

                     Was wird den nu als Nächstes gommen?

 

                 Ooch Angst hat einm im Hals gesessen.

                 Das sollt' mer so schnell nich vergessen.

                 Dann Gerzen rund ums runde Eck!

                 Dachdecker Honny fecht's glatt weg.

                 Der Gorbi macht nicht lange Faxen:

                 ‚Da habtern, Euern Freistaat Sachsen!

 

                 Nu mach doch eiern Dreck alleene!‘

                 Da hilft kee Knietschen, meine Kleene.

                 Zeicht Dir ooch Bach de leere Tasche,

                 grad wie ä Phönix aus der Asche

                 wirst du, mei Leipzig, wieder scheene.

                 Un off dor  Elster gondeln Kähne.

 

                 Wo mer jetzt guckt un wo mer gehn,

                 mer jedes Mal was Neues sehn:

                 De Rathausuhr mit waschechter Farbe,

                 in den Straßen schließt sich so manche Narbe.

                 Vorschwinden dun de grauen Fassaden.

                 Sogar de Luft gann mer wieder atmen.

 

                 "Bau-auf-bau-auf" ist längst verglungen.

                 Nun wirds gemacht un nich gesungen!

                 Noch viel fischelande Börger winsch ich dir,

                 (Aus Erfahrung fiech mer ein:

                 Nich jeder muss ä Schneider sein.)

                 damit mer freelich sagen kann:

                 MEIN LEIPZIG LOB ICH MIR !

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